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75 Jahre Darmstädter Wort

Am 8. August 1947 veröffentlichte der Bruderrat der Evangelischen Kirche in Deutschland ein „Wort zum politischen Weg unseres Volkes“, das er in Darmstadt verfasst hatte. Es prangert die Irrwege des Deutschen Volkes an, die in die Katastrophe von Nationalsozialismus und Krieg führten. Eine Veranstaltung am 15. Juli erinnert an 75 Jahre Darmstädter Wort und fragt nach Impulsen daraus für heute.

75 Jahre Darmstädter Wort
Veranstaltung am 15. Juli in der Stiftskirche in Darmstadt


Am 8. August 1947 veröffentlichte der Bruderrat der Evangelischen Kirche in Deutschland  ein „Wort zum politischen Weg unseres Volkes“, das er in Darmstadt verfasst hatte. Es ist das letzte große Wort des noch nach dem Ende des Krieges existierenden Bruderrates der Bekennenden Kirche und prangert die Irrwege des Deutschen Volkes an, die in die Katastrophe von Nationalsozialismus und Krieg führten. Es ist ein Wort, das nicht nur nach innen an die Kirche gerichtet ist, sondern im Sinne einer Denkschrift an „unser Volk“. Ein Wort, um dem deutschen Volk die schon vor der NS-Zeit eingeschlagenen Irrwege aufzuzeigen. Ein Wort, in dem ein Irrweg fehlt: der des Antisemitismus und Rassismus. Das Wort kann auch heute zur kritischen Reflexion gegenwärtiger Irrwege helfen und zu neuen Schritten ermutigen: Schritte hin zu Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung und zur Überwindung von Antisemitismus und Rassismus.

Aus Anlass des 75. Jahrestages an das denkwürdige „Darmstädter Wort“ erinnern und es für heute fruchtbar machen will eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung am Freitag, 15. Juli, in der Stiftskirche. Sie steht unter der Überschrift: „Irrwege verlassen – Friedenswege suchen.“ Anmeldungen sind bis 10. Juli unter 06151 1362430 und per E-Mail an winfried.kaendler@ekhn.de möglich. Einladende sind die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), das Agaplesion Elisabethenstift, das Evangelische Dekanat Darmstadt, , die Martin-Niemöller-Stiftung und das Zentrum Ökumene der EKHN.

„Die großen politischen Herausforderungen, vor denen wir stehen – ich denke an den Krieg in der Ukraine, die Klimakrise, die Pandemie, wachsende soziale Ungleichheit, Antisemitismus und Rassismus -  bedeuten für viele Menschen in Kirche und Gesellschaft Verunsicherung und Dilemmata im Blick auf die richtigen Entscheidungen“, sagt Pfarrerin Ulrike Schmidt-Hesse, die die Vorbereitungen leitete, „wir brauchen deshalb Foren des Austauschs, die zu politischer Verantwortung ermutigen und Orientierung für heutige Wege bieten. Dazu wollen wir in Auseinandersetzung mit dem profilierten Wort von 1947 beitragen.“

Die Veranstaltung sieht ein umfangreiches Programm vor: Nach der Begrüßung um 16 Uhr durch Michael Nowotny, Geschäftsführer des Agaplesion Elisabethenstifts, Grußworten des Kirchenpräsidenten Dr. Volker Jung und des Darmstädter Oberbürgermeisters Jochen Partsch, einem Gebet des Dekans Dr. Raimund Wirth und einer Einführung von Pfarrerin Ulrike Schmidt-Hesse wird der Theologieprofessor Dr. Andreas Pangritz aus Osnabrück, Kenner des Verhältnisses von Christentum und Judentum sowie von Staat und Kirche, über Entstehung, Ziele und Wirkungen des Darmstädter Wortes sprechen.

Nach einem Abendimbiss wird die Friedenspfarrerin der EKHN, Sabine Müller-Langsdorf, ab 18 Uhr das Impulspapier „Kirche des gerechten Friedens“ von 2019 vorstellen, das wichtige Anliegen des Darmstädter Wortes thematisiert. Anschließend gehen die Teilnehmenden gemeinsam zum historischen Festsaal, in dem das „Darmstädter Wort“ entstand, um sich hier über Irrwege und Friedenswege auszutauschen. Ab 19 Uhr spricht Heike Hofmann, Vizepräsidentin des Hessischen Landtags, darüber, was das Darmstädter Wort der Politik sagt. Um 19.15 Uhr schließt sich eine Diskussion zum Thema „Das Darmstädter Wort heute – aktuelle Konfliktfelder: Rassismus und Antisemitismus, Friedenspolitik, Klimakrise“ an. Hier diskutieren Pfarrerin Ilona Klemens, Generalsekretärin des Deutschen Koordinierungsrates e.V. der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Pfarrer Dr. Eberhard Pausch, Studienleiter der Evangelischen Akademie Frankfurt, und Daniel Untch, Referent für Friedensbildung im Zentrum Ökumene.

Den Abschluss mit Lied und Segen gestaltet Pfarrer i.R. Michael Karg, Vorsitzender der Martin-Niemöller-Stiftung. Musikalisch gestalten Dekanatskantor Wolfgang Kleber und Mezzosopranistin Irmhild Wicking die Veranstaltung mit. Sie tragen etwa ein Musikstück zum Darmstädter Wort vor, das Wolfgang Kleber eigens komponiert hat.

Programmflyer 75 Jahre Darmstädter Wort 15.7.2022: hier

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