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Schwedenfeeling im Ried - Sommerfreizeit 2020 - in Corona

Alter Schwede!

Bernd Altmann, rechts und Peter Hannemann, links

Die Sommerfreizeit der Ev. Jugend fand wegen Corona statt in Schweden im Kreis Groß-Gerau statt. Wie das? Der „Alte Schwede“, Dekanatsjugendreferent Bernd Altmann und „seine“ ehrenamtlichen und längst berufstätigen Freizeitbetreuer*innen holten mit den 13- bis 17-Jährigen "Schwedenfeeling" in heimische Kochtöpfe, ins Hessische Ried und waren wie einst Schwedenkönig Gustav Adolf, für manche Herausforderungen beim Klettern, Radeln und am Rhein kreativ und erfolgreich. Corona macht erfinderisch. Peter Hannemann (32, links im Bild) und Julia Sadina (23) sind in der Ev. Jugend bei Bernd Altmann „groß geworden“ und wollen bis heute den Kontakt zu ihrem „Alten Schweden“ nicht missen.

Teamer Andy Barthel (rechts)

Warum die  23-jährige Teamerin Julia Sadina ihren Urlaub ehrenamtlich immer noch gerne mit Jugendlichen verbringt? „Weil es mir Spaß macht. Ich arbeite auch als Erzieherin und mag es, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, sie in deren Entwicklung zu stärken und zu begleiten, sie zu unterstützen, ihnen zu helfen, für sie da zu sein, gemeinsam Zeit zu verbringen, etwas zu erleben mit ihnen - und auch einfach, als Teamer*in das Wir-Gefühl genießen", so ihre Antwort. 

Wir-Gefühl der Evangelischen Jugend
Anknüpfen an dieses „Wir-Gefühl“ aus früher Jugend, Sommerfreizeiten, 14 Tage weg von zu Hause; Da schwelgt der 32-jährige Teamer Peter Hannemann sofort in Erinnerungen: „Die Gruppenerlebnisse, dass man seinen Freundeskreis erweitert, man kennt ein bis zwei Leute und nach der Freizeit hat man weitere zehn bis 15 näher kennengelernt.“  Mit 16 war er zum ersten Mal mit Dekanatsjugendreferent Bernd Altmann "auf Freizeit". Später hat er sich in der Dekanatsjugend engagiert. Inzwischen ist er nach dem Studium längst im Beruf. Doch als Ehrenamtlicher will er keine Sommerfreizeit als Teamer verpassen. Dabei ist ihm nicht zuletzt der Kontakt zu Bernd Altmann wichtig: „Ich denke, er war für mich immer eine gewisse Bezugsperson, einmal pro Monat in der Dekanatsjugend, einmal pro Jahr sind wir weggefahren, heute ist es Freundschaft.“

Mittlerin und Bezugsperson mit 23
Als Bezugsperson für die Jugendlichen beschreibt auch die 23-jährige Julia Sadina ihre Rolle als Teamerin. Sie möchte „die Jugendlichen da abholen, wo sie gerade stehen“. Als Sozialpädagogin sei sie erfahren und habe einen „individuellen Blick auf jede*n Einzelnen“. Auch sei sie  „aufgrund ihres Alters näher an den Jugendlichen dran“. Die Jugendlichen kämen während der Freizeiten speziell auf sie zu und erzählten ihr von ihren jeweiligen „Problemen“, die jede*r „auf seine eigene Weise von zu Hause mitbringt“.
Da wird man als „Elternteil Heranwachsender“ natürlich gleich neugierig. Schließlich gilt man ja in dieser Altersgruppe der Kinder nicht gerade als beliebte*r Ansprechpartner*in. Daher die Rückfrage:

"Was sollten Eltern anders machen?"
Die Antwort von Julia Sadina, prompt und wohl bedacht: „Auf Jugendliche zugehen und fragen „Was möchtest du?“ Die Haltung dabei sei wichtig, so Sadina: „Das Kind als Individuum sehen und nicht ständig mit jemand anderem vergleichen.“ Und schließlich sei folgendes in der Kommunikation zielführend: „Einfach mal nachgeben. Nicht immer das Elternteil raushängen lassen.“

So wie der „Alte Schwede“ im Dekanat
So wie dies „der Alte Schwede“ im Dekanat, Dekanatsjugendreferent Bernd Altmann - 55 Jahre alt und seit 28 Jahren im Dienst für die Evangelische Jugend im Kreis Groß-Gerau - bei Freizeiten, Fortbildungen, Workshops, Juleica-Schulungen oder auf Konfirmandenfreizeiten "scheinbar lässig" praktiziert: Seine Rolle ist zwar eine andere als die der Eltern, aber Erziehung findet - wenn's sein muss auch MIT Zeigefinger, mit Grenzen und mit Humor statt. Denn anders funktioniert Gemeinschaft nicht. Bernd Altmann's Jugendliche "von einst" sind heute berufstätig, haben eine Ausbildung gemacht oder studiert und manche haben den gleichen Beruf gewählt wie zum Beispiel Isabelle Duhmer oder Nicola Herz, inzwischen Kolleginnen im Ev. Dekanat Groß-Gerau-Rüsselsheim.  Für die Freizeit-Teamer*innen wie Peter Hannemann, Julia Sadina sowie die anderen Ehrenamtlichen in der Ev. Dekanatsjugend ist der „Alte Schwede“ heute Freund und immer noch Bezugsperson. So erleben es auch die Jugendlichen, die mit Dekanatsjugendreferent Alexander Kurz in den letzten Jahren Erfahrungen für’s Leben sammeln konnten.

Begegnung auf Augenhöhe
Bernd Altmann, der auch singt und rockt - seine Musikworkshops in den Osterferien sind legendär - Freizeiten „im Schlaf“ organisieren kann, in  fast 30 Jahren Hunderte von Kindern im Kreis Groß-Gerau begleitet hat, ist selbst „ohne goldene Löffel“ im Dicken Busch in Rüsselsheim aufgewachsen, kennt unterschiedliche Milieus und begegnet seinen „Teamer*innen“ auf Augenhöhe.

Warum „Alter Schwede“?
Weil Bernd Altmann und seine Teamer*innen die Jugendlichen bei der einwöchigen Sommerfreizeit 2020 - mit Schwedenfeeling - manchen Herausforderungen ausgesetzt haben, Stichwort: Kreativität, Wettbewerb, Teamgeist und Siegeswille! Wo? Im heutigen Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue bei Erfelden, wo die „Schwedensäule“ steht.  Da hat im Dreißigjährigen Krieg um 1600 der Schwedenkönig Gustav Adolf die 300 Meter Rhein mangels Booten mit Scheunentoren überquert und Oppenheim und Mainz im Sturm erobert. In einer Rallye ohne Handys hatten die Jugendlichen in Gruppen zeitgemäß ähnliche "challenges" zu meistern. 

Ev. Jugendarbeit schafft Selbstvertrauen
Was die Teamer*innen und Jugendlichen in der evangelischen Jugendarbeit erfahren und lernen ist nicht zuletzt Selbstvertrauen. Sich außerhalb von Familie in fremder Gemeinschaft einfinden und wohlfühlen - gar nicht so ohne! Dabei auf andere achten zu lernen, auch mal zurückzustecken, etwas gemeinsam zu schaffen…Das sind wie man heute sagen würde die "soft skills" der „guten Botschaft“: Jeder wird gesehen, geachtet, egal wo er oder sie herkommt oder was er oder sie kann, - von Gott geliebt halt, ohne Gegenleistung? Nicht ganz: In den Anmeldungen für die Freizeiten steht als Voraussetzung immer: "die Bereitschaft, sich in eine Gruppe einzufügen"... Bisher gab's da in den letzten 28 Jahren keine Probleme. 

Und weil die Teamer*innen - die Jugendlichen haben abends zuhause übernachtet - nicht wie geplant abends am See in Schweden sitzen konnten, saßen sie dennoch zusammen - beim „Alten Schweden“ im Garten in Trebur. 

Bitte nicht bei den "Scheunentoren" sparen!
Mögen bei allen Sparvorgaben, die wir in dieser Corona-Zeit auch in der Kirche erleben, die Mittel für "Soziales Lernen", die „Scheunentore“ der Evangelischen Jugend nicht ausgehen. Denn, vergleichbar mit einem gelungenen Fest, das man als Gastgeber*in mit hängender Zunge und lächelnd geschafft hat gilt auch für die Jugendarbeit: Was leicht, unbeschwert und unvergessen bleibt ist immer die Summe guter Planung und harter Arbeit. Chapeau!

 

Heidi Förster
Öffentlichkeitsarbeit

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