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Gemeinsames Zelten

»Barrieren hinter uns lassen«

epd/Lothar SteinPfadfinder begegnen einander mit Respekt, ganz gleich, welcher Religion sie angehören.

RHENS. Christliche und muslimische Pfadfinder zelten gemeinsam • Von Dieter Junker. Die katholischen St.-Georgs-Pfadfinder und muslimische Pfadfinder veranstalteten in Rhens am Rhein ihr erstes gemeinsames Zeltlager. Auf dem Programm standen gemeinsame Gebete und das Kennenlernen der anderen Religion. Einen optischen Unterschied gab es aber.

Trommelschläge rufen die Kinder und Jugendlichen zusammen. In drei Reihen stehen sie hintereinander und sollen mit Hilfe von Handzeichen Gegenstände erraten. Ein Stück Holz beispielsweise oder eine Kerze. Sie lachen viel. Die Großen helfen den Kleinen. Einige haben beigefarbene Hemden an, andere grüne. Das ist der einzige auffallende Unterschied: beige Hemden bei der katholischen Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg, grüne bei den muslimischen Pfadfindern.

Gemeinsam leben und lernen

»Gemeinsam leben« war das Motto dieses achttägigen Begegnungszeltlagers von muslimischen und christlichen Pfadfindern in Rhens. Die rund 150 Kinder und Jugendlichen im Alter von 7 bis 21 Jahren lernten und lebten auf dem Jugendzeltplatz »Am Pfaffenwäldchen« oberhalb vom Rhein Offenheit, Toleranz und Dialogbereitschaft. Getreu dem ehernen Pfadfindergesetz, allen Menschen mit Respekt zu begegnen.

Religionsgrenzen spielen keine Rolle

»Hier werden Brücken gebaut und Freundschaften geschlossen, über Religionsgrenzen hinweg«, unterstrich Taoufik Hartit aus Rüsselsheim. Er ist Gründungspräsident des Bundes Moslemischer Pfadfinder und Pfadfinderinnen Deutschlands und gehörte zu den Initiatoren dieses besonderen Zeltlagers. Susanne Ellert, die Bezirksvorsitzende Rhein-Erft der katholischen Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg, sah es ähnlich: »Für uns Pfadfinder ist es selbstverständlich, dass wir hier die Werte, die ein lebenswertes Miteinander ausmachen, auch leben.«

Auch das Freitagsgebet gehört zum Programm

Und so waren christliche Pfadfinder am Morgen beim muslimischen Gebet dabei und junge Muslime bei der katholischen Eucharistiefeier. Ein Freitagsgebet mit dem Imam gehörte ebenfalls zum Programm. Das sind Anknüpfungspunkte für Gespräche und viele Fragen. »Kinder gehen da eher neugierig mit um und zeigen keine Vorurteile«, sagte Ellert.

Jugendliche sehen Gemeinsamkeiten der Religionen

Fast schon spielerisch lernten die Bewohner des Zeltlagers die andere Religion kennen. »Und wir erfahren auch, dass es viele Gemeinsamkeiten von Christentum und Islam gibt«, erläuterte Hartit. »Abraham ist für uns Muslime wichtig, Maria und Jesus ebenso.«

Mit Jugendarbeit gegen Intoleranz und Gewalt

Das Zusammensein ist ein Weg, Vorurteile erst gar nicht entstehen zu lassen. In den Gruppen des Zeltlagers spielten die Pfadfinder gemeinsam und lösten zusammen Aufgaben. »Ich empfinde angesichts der vielen negativen Schlagzeilen über den Islam dieses Zeltlager und unsere Jugendarbeit als wichtigen Ansporn, hier noch mehr tätig zu werden und für ein friedliches Miteinander zu werben«, erklärte Hartit. Jugendarbeit sei das beste Mittel gegen Intoleranz und Gewalt, glaubt auch Susanne Ellert: »Wir wollen Barrieren hinter uns lassen.« Darum wünscht sie sich eine stärkere öffentliche Förderung dieser Arbeit.

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