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Hintergründe der zweifachen Heirat des hessischen Landgrafen

Doppelehe als Balsam fürs Gewissen

pixelio/Dieter SchützMartin Luther (links) und Philipp von Hessen am Wormser Luther-Denkmal. Der Reformator hilft dem Grafen aus moralischer Not.

MAINZ. Philipp von Hessen heiratete seine Zweitfrau mit dem Einverständnis der Reformatoren. Der Landgraf bangte um sein Seelenheil und hatte gar schon Anzeichen für Gottes Strafe an sich selbst entdeckt. Zumindest glaubte er das.

Es war eine aufregende Zeit vor 500 Jahren. Eine wichtige Rolle dabei spielte »der zweyweibige Landgraf« Philipp von Hessen. Einen Teil seiner Geschichte erzählte der Mainzer Kirchenhistoriker Wolfgang Breul in der Reihe »Theologie aktuell« im großen Seminarraum der Evangelischen Studierenden-Gemeinde der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Breuls Thema hieß »Die Doppelehe des Landgrafen in religiöser Perspektive«.

Schließlich mussten sich die Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon genau überlegen, wie sie sich in dieser heiklen Angelegenheit verhalten sollten. Einerseits wollten sie die Monogamie nicht in Frage stellen, andererseits war bei Philipp wohl ein Gewissenskonflikt entstanden, den es abzuwägen galt.

Kein Abendmahl für den Landgrafen

Der Landgraf war 19 Jahre alt, als er 1523 die um ein Jahr jüngere Christine von Sachsen heiratete. Es sei eine politische Ehe gewesen, aus der dennoch zehn Kinder hervorgingen. Zugleich pflegte Philipp ein reges außereheliches Sexualleben. Ab 1525 empfing er kein christliches Abendmahl, weil er selbst sich dessen nicht würdig fühlte. »Philipp befand sich in einem tiefen religiösen Zwiespalt«, erläuterte Breul.

Anfang 1539 erkrankte Philipp an Syphilis. Zumindest befürchtete er dies. Er sah die Erkrankung im Zusammenhang mit seinem Lebenswandel. Als Laientheologe befasste sich Philipp intensiv mit biblischen Themen. In seiner bis heute erhaltenen »Kasseler Philipps-Bibel« strich er unter anderem eine Stelle in Genesis 26 an, in der von Esaus Frauen Judith und Basemath die Rede ist. Philipp diente der Verweis als Beleg dafür, dass Doppelehen theologisch nicht ganz auszuschließen sind.

Zwei Bedingungen für die Doppelehe

Er wollte die Reformatoren an seiner Seite. Es folgten einige Beratungen, die am 10. Dezember 1539 zum »Wittenberger Ratschlag« führten. Luther und Melanchthon erlaubten den Dispens unter zwei Bedingungen: die Beendigung aller außerehelichen Verhältnisse des Landgrafen sowie die Geheimhaltung des Dispenses – die neue Verbindung sollte nach außen als Konkubinat erscheinen.

Am 4. März 1540 heiratete Philipp die 18 Jahre jüngere Margarethe von der Saale in Rotenburg an der Fulda im Beisein der Reformatoren Martin Bucer und Melanchthon. Christine von Sachsen stimmte dieser Ehe formal zu. Das Erbe ihrer Kinder wurde sichergestellt. Da Philipp nun mit beiden Frauen Kinder zeugte, schließen Mediziner heute aus, dass er an Syphilis erkrankt war.

Von Armin Thomas

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