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Wie die Wüstenväter

Michael Solle arbeitet als Pfarrer in Nieder-Rosbach und ab Juli in Friedberg

Die Coronazeit scheint kein Ende zu nehmen. Auch wenn es bereits einige Lockerungen gibt, bleibt das Leben an vielen Stellen eingeschränkt. Dennoch gibt es auch Gutes in dieser Zeit, wenn auch nicht für alle Menschen. Viele haben mehr Zeit als sonst. Nur wenige Tage nach Beginn der Einschränkungen gaben Prominente Anregungen für Beschäftigungen. Halten wir es nicht mehr mit uns alleine aus? Könnte es nicht auch gut sein, dass wir manches mit mehr Ruhe tun können?
Durch den bekannten christlichen Autor Anselm Grün bin ich auf die Wüstenväter aufmerksam geworden, christliche Mönche in der ägyptischen Wüste im 4. und 5. Jahrhundert. Einer von ihnen ist der Altvater Poimen. Von ihm wird erzählt: Wenn er in die gottesdienstliche Versammlung gehen wollte, dann setzte er sich zuerst für sich allein und untersuchte seine Gedanken, etwa eine Stunde. Und so ging er dann weg. Wir haben wahrscheinlich weniger Zeit wie diese alten Mönche. Aber wir können uns vor dem Treffen oder dem Telefonat mit einem Freund oder einer Freundin etwas Zeit nehmen, über diesen Menschen nachdenken, was man fragen oder sagen möchte, für ihn ein Gebet sprechen. Die Begegnung wird anders sein, tiefer als wenn wir einfach aus dem Alltag heraus zum Treffen kommen, voll mit mehr oder weniger wichtigen Dingen in unserem Kopf und unserer Seele. Ein Mann erzählte mir nach der Beerdigung seiner Mutter, sie hätte ihnen als Kindern den Rat gegeben, auf dem Weg zur Kirche über nichts mehr Weltliches zu reden. Eine andere Frau aus der Gemeinde sagte, es wäre schön, einmal ganz für sich in Ruhe und eine Andacht im Internet anzusehen. In dieser Zeit gibt es im Internet ja viele Gottesdienstangebote aus den Gemeinden. Wir haben nicht immer Ruhe und Zeit. Manchmal sind wir gehetzt und es geht nicht anders. Auch am Sonntagmorgen. Aber wenn es möglich ist, dann versuchen Sie es doch einmal so zu machen wie der Altvater Poimen. Sie werden den Segen spüren.

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