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Interview

Das Komponieren selbst beigebracht

© Antonius Nies

Antonius Nies ist Organist, Komponist und ein Ausnahmetalent: Schon als Kind hat er mehrere Stunden am Tag Klavier gespielt, während seiner Schulzeit hat er mit dem Komponieren angefangen. Ein Interview:


Wann haben Sie angefangen zu musizieren?
Mit sechs Jahren bekam ich meinen ersten Klavierunterricht. Ich hab‘ als Kind bereits mehrere Stunden am Tag gespielt. Es hat mir einfach sehr viel Spaß gemacht. Allerdings habe ich die Stücke selten bis zur Perfektion geübt, sondern versucht, alles, was ich zu Hause finden konnte, vom Blatt zu spielen. Meine Großeltern haben mich dann immer mit „neuen“ Noten vom Flohmarkt versorgt, sodass ich spielerisch viel Musik kennengelernt habe.


Wie haben Sie Komponieren gelernt?
Während meiner Schulzeit an der Wiesbadener Leibnizschule habe ich angefangen zu improvisieren und zu komponieren, weil ich kreativ sein wollte. Ich war Pianist der Schüler-Big-Band und habe mit meinen Mitschülern Kammermusik gemacht. Ich hatte für kurze Zeit Kompositionsunterricht, aber im Wesentlichen habe ich mir das Komponieren selbst beigebracht. Nach dem Abitur habe ich dann an der Hochschule für Musik in Karlsruhe Musikinformatik und Musikwissenschaft studiert.


Wie kamen Sie zur Orgelmusik?
Über unsere Kirchengemeinde St. Bonifatius. Meine Eltern singen dort im Chor. Kantor Gabriel Dessauer meinte, Orgelspielen wäre etwas für mich. Er hat mir Unterricht gegeben.


Sie haben bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Welche hat Ihnen am meisten bedeutet?
Der Bundespreis bei „Jugend Komponiert“. Den habe ich für mein Klavierstück „Scherzino“ bekommen, das ich nachträglich noch zum Mittelsatz meiner bisher einzigen mehrsätzigen Klaviersonate gemacht habe. Die größte Auszeichnung für mich persönlich war aber eigentlich, dass ich kurz vor meinem Abitur eine Eigenkomposition mit unserem Schulorchester aufführen durfte. Dass ich nun anlässlich des Jahrs der Orgel einen Kompositionsauftrag von sechs evangelischen Kirchengemeinden in Wiesbaden bekommen habe, ist für mich eine große Ehre und ebenso eine wichtige Auszeichnung.


Was waren die größten Herausforderungen bei diesem Kompositionsauftrag?
Das Komponieren hat mir riesigen Spaß gemacht. Eine Herausforderung war und ist, die Stücke alle einzuüben. Eine andere wird aber auch der Druck des Notenhefts und seine Vermarktung sein.


Wie würden Sie Ihren Kompositionsstil beschreiben?
Mein Kompositionsstil ist eigentlich nicht so richtig abgrenzbar. Einen Stil zu definieren – das schränkt auch ein. Die Kompositionen, für die ich Preise gewonnen habe, unterscheiden sich aus meiner Sicht fundamental voneinander. Ich habe allerdings eine „Komfortzone“, in der ich Musik komponiere, wenn ich nicht bewusst experimentiere. Da bin ich dann normalerweise von der russischen oder deutschen Spätromantik oder vom Neoklassizismus beeinflusst. Aber ich halte es selten lange aus, da nicht auszubrechen.


Hintergrund:
Antonius Nies (Jahrgang 1998) ist nebenamtlicher Organist an der Wiesbadener Kreuzkirche. Er hat im Auftrag von sechs evangelischen Kirchengemeinden des Dekanats Wiesbaden zu ausgewählten Evangelien des Jahreskreises Stücke komponiert. Das Werk besteht aus mehreren Sätzen, die sowohl einzeln, als auch zusammen aufgeführt werden können. Die Werke sind derzeit in Gottesdiensten zu hören.
Die nächsten Termine sind „Die Verklärung Jesu“ am Sonntag, 17. Oktober, 10 Uhr, in der Johanneskirche Erbach und „Die Seligpreisungen“ am Sonntag, 31. Oktober, 10 Uhr, in der Thalkirche Sonnenberg. Beide Stücke wird Kirchenmusiker Andreas Karthäuser spielen.
Eine konzertante Gesamtaufführung präsentiert Antonius Nies selbst in der Erbacher Johanneskirche am Samstag, 30. Oktober, 17 Uhr. Eintritt frei.

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