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Antisemitismus auf documenta

documenta: Kritisiertes Kunstwerk wird entfernt

Bildquelle: MDHS, gettyimages, Alona KryvoruchkoAntisemitismus bekämpfenAufkeimendem Antisemitismus entgegentreten und im Gespräch bleiben

Ein vielfach kritisiertes Gemälde mit antisemitischen Detailbildern muss entfernt werden. Es wurde zunächst auf der Kunstausstellung „documenta fifteen“ in Kassel gezeigt. „Kunstfreiheit endet dort, wo Menschenfeindlichkeit beginnt“, so Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden. Auch die evangelische Bischöfin aus Kurhessen-Waldeck äußerte sich kritisch.

(epd). Das auf der Kunstausstellung „documenta fifteen“ wegen Antisemitismusvorwürfen in die Kritik geratene Gemälde „People's Justice“ wird abgehängt. Der Aufsichtsrat der documenta habe die Entfernung beschlossen, erklärte am Dienstagnachmittag der Aufsichtsratsvorsitzende, der Kasseler Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD). Zuvor hatten unter anderem Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) und die hessische Kunststaatsministerin Angela Dorn (Grüne) die Entfernung des Gemäldes des indonesischen Künstlerkollektivs „Taring Padi“ gefordert.

Kein Raum für Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung

„Es ist ein immenser Schaden für unsere Stadt und die documenta entstanden“, sagte Oberbürgermeister Geselle. Es müsse nun aufgearbeitet werden, wie es zur Installation kommen konnte. „Trotz ihrer Bekenntnisse ist die künstlerische Leitung der documenta fifteen ihrer Verantwortung nicht nachgekommen, dafür zu sorgen, dass Antisemitismus, Rassismus sowie jede Art von Diskriminierung keinen Raum hat.“

Darum geht es: die antisemitischen Motive

Auf einem Detail des kritisierten Banners ist ein Mann in Anzug und Krawatte zu sehen, haifischartige Raffzähne ragen aus dem Mund, daneben eine Zigarre. Eine angedeutete Schläfenlocke hängt herunter, auf dem Hut prangt die SS-Rune. Damit werden Juden mit Nazis gleichgesetzt. Auf einem anderen Detail wird unter einem Kanonenrohr eine Person in Uniform gezeigt, sie trägt die Nase eines Schweins, das bei gläubigen Juden als unrein gilt. Auf dem roten Halstuch ist der Davidstern zu sehen, auf dem Helm der Name des israelischen Geheimdienstes Mossad.

Urheber äußerten sich

Nach Kritik wurde das hausgroße, an einem Gerüst am Kasseler Friedrichsplatz aufgehängte Werk am Montagabend verhüllt. Zugleich hatte das indonesische Künstlerkollektiv „Taring Padi“ erklärt, das 20 Jahre alte Werk sei Teil einer Kampagne gegen Militarismus und Gewalt in Indonesien. Die Gruppe versicherte, das Werk „steht in keiner Weise mit Antisemitismus in Verbindung“. Als Zeichen des Respekts und mit großem Bedauern werde die Arbeit abgedeckt, die „in diesem speziellen Kontext in Deutschland als beleidigend empfunden wird“.

Das Werk wird abgehängt

Doch am Dienstag mehrten sich die Stimmen, die eine Entfernung des Gemäldes forderten. „Die bloße Verhüllung und die Erklärung des Künstlerkollektivs Taring Padi waren absolut inakzeptabel“, sagte Kulturstaatsministerin Roth in Berlin. Auch die hessische Kunstministerin Angela Dorn (Grüne) sagte, die Verhüllung könne nur der erste Schritt gewesen sein. „Antisemitische Inhalte dürfen nicht gezeigt und nicht reproduziert werden.“ 

Der Zentralrat der Juden hatte bereits am Montag seine Kritik an den „eindeutig antisemitische Motiven in einem Werk des indonesischen Künstlerkollektivs `Taring Padi´“ geäußert. „Kunstfreiheit endet dort, wo Menschenfeindlichkeit beginnt“, sagte der Zentralratpräsident Josef Schuster. Auf der documenta sei diese rote Linie überschritten worden.

Bischöfin: „Antisemitismus darf nicht geduldet werden“

Beate Hofmann, Bischöfin der Evangelischen Kirchen von Kurhessen-Waldeck, äußerte sich am Mittwoch, 22. Juni 2022: „Um es klar zu sagen: Antisemitismus darf nicht geduldet werden, auch nicht im Mantel der Kunst.“ Es sei wichtig, ihn zu identifizieren und zu bekämpfen – weltweit. Diesen blinden Fleck in den Arbeiten mancher Künstler habe die Kritik an der documenta aufgedeckt. Bischöfin Hofmann bemerkt aber auch: „Das Entfernen antisemitischer Kunst löst das Problem aber nicht. Es braucht eine intensive Aufarbeitung.“ Sie hofft,  „dass es gelingt, die notwendige Auseinandersetzung mit Antisemitismus im postkolonialen Diskurs und die Wahrnehmung postkolonialen Denkens bei uns zu fördern, auf der documenta und darüber hinaus.“

Stereotype reflektieren

Der Berliner Antisemitismusforscher Klaus Holz sagte, es handele sich um „eindeutig antisemitische Bilder“. Offen bleibe, ob die Künstler absichtlich eine antisemitische Bildsprache verwendet hätten, sagte Holz, der auch Generalsekretär der Evangelischen Akademien in Deutschland ist, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Klar sei jedoch, wer sich zum Thema Judentum und Israel äußere, müsse antisemitische Stereotype reflektieren.

Kritische Äußerungen des Bundespräsidenten

Die internationale Kunstausstellung documenta war am Samstag in Kassel eröffnet worden, dabei hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Verantwortlichen für ihren Umgang mit seit Monaten erhobenen Antisemitismus-Vorwürfen kritisiert.

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