Sonntagsgedanken
Gastfreundschaft
03.01.2026
ts
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Weihnachten und der Jahreswechsel liegen hinter uns. Viele Menschen haben zu den Feiertagen Gäste empfangen oder waren selbst zu Gast.
Auch das Jesuskind hatte gleich nach seiner Geburt die Hirten als seine ersten Gäste. Weitere Gäste waren die Weisen aus dem Morgenland, an die wir am 6. Januar erinnern. Gastfreundschaft spielt auch eine wichtige Rolle in vielen biblischen Geschichten. Im Abendmahl lädt Gott selbst uns durch Jesus Christus als seine Gäste ein.In einer Gesellschaft mit immer mehr einsamen Menschen verheißt Gastfreundschaft die Erfüllung einer tiefen Sehnsucht nach Gemeinschaft.
Neben der äußerlich sichtbaren Einsamkeit gibt es aber auch eine innere Einsamkeit, die gerade mitten im Trubel spürbar sein kann. Auch wenn die Werbespots von glücklichen Menschen, die in großer Runde Fertigpizza essen, etwas Anderes behaupten – auch unter vielen Menschen kann man sehr einsam sein. Einsamkeit gehört zum Menschsein, meinte der niederländische Seelsorger Henri Nouwen. Sie ist in jedem von uns. Und wir sollen sie nicht verdrängen oder betäuben, sondern annehmen und damit leben. Denn diese Einsamkeit, dieses Stück Wüste in uns, ist ein Ort der Begegnung mit Gott.
Wirklich gastfreundlich kann nur sein, so Nouwen, wer sich in seinem eigenen Haus wohlfühlt. Wer seine eigene Einsamkeit bewältigt hat und nicht von seinem Gast erwartet, sie auszufüllen. Gastfreundschaft heißt, dem Gast einen freien Platz zu schaffen, an dem dieser keine Angst haben muss.Für die Hirten und Weisen war der Platz an der Krippe so ein gastfreundlicher Ort. Ein Ort, an dem sie sich selbst fanden, an dem ihre Einsamkeit zwar nicht weggenommen, aber heil wurde.
Zum Jahreswechsel gehört für viele Menschen die Bitte um Gottes Segen. In der katholischen Tradition schreiben Sternsinger den lateinischen Segenswunsch C*M*B* an die Haustür. Er bedeutet „Christus Mansionem Benedicat“, also „Christus segne dieses Haus“ und erinnert zugleich an Caspar, Melchior und Balthasar, die fremden Gäste des Jesuskinds. Diesen Segen erbitte ich auch für mein inneres Haus, samt dem leeren Raum darin, in dem ich auf Gott warte.
Gottes Segen zum neuen Jahr für Ihr äußeres und inneres Zuhause wünscht Ihnen herzlich
Ihre Luise Berroth, stellvertretende Dekanin im Dekanat Vogelsberg und Pfarrerin in Maar und Wernges
