Gott träumt uns – und wir wachen auf
06.02.2026
drk-rgw
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Wie Gott wohl Neues schafft? Geheimnis der Schöpfung.
Jeder kreative Prozess ist irgendwie geheimnisvoll, finde ich. Jeder braucht andere Dinge, um produktiv zu sein. Jede ist in ihrem eigenen Takt schöpferisch. Und jeder Ausgang ist ungewiss. Jedes Ergebnis ist offen. Was brauchst du, um mit nötiger Energie und gutem Gefühl etwas zu beginnen?
Neuschöpfung ist 2026 angesagt. Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu (Offenbarung 21.5), heißt die diesjährige Jahreslosung.
Bei mir schleicht sich schnell die Frage ein: Was muss denn alles neu werden? In der Weltpolitik, in Kirche, in der Gesellschaft? In meinem eigenen Leben?
Und wie kann ich mir das vorstellen, wenn alles neu wird? Schwingt Gott einmal die Abrissbirne, wie Peter Fox in seinem Song „Alles neu“ singt? Oder geht es doch ein Schritt nach dem anderen, wie im Song „Neuanfang“ von Clueso?
Ich höre oft den Wunsch nach grundlegender Veränderung: Wie weit soll sich das denn alles noch verschlechtern? Und dann gibt es die, die sagen: Es muss noch viel schlimmer kommen, bevor es wieder bergauf geht.
Wie passend, dass die Offenbarung, das letzte Buch unseres neutestamentlichen Kanons, mit der Vernichtung allen Bösen endet. Doch nicht, bevor große Kämpfe zwischen Gut und Böse stattfinden. Jesus Christus richtet seine Herrschaft auf, aber erfährt massiven Gegenwind. Das Böse ruht nicht. Es schart Anhänger um sich und wetzt die Messer. Schließlich kommt es aber zur Vernichtung allen Bösen und das Reich Gottes bricht an. Ganz am Ende kommt die Ansage von oben, von dem, der auf dem Thron saß: Siehe, ich mache alles neu. Und wie kann es anders sein, dass Gott, die treibende Kraft, die am Beginn der Welt alles geschöpft und geordnet hat, auch am Ende der Welt wieder tabula rasa macht? Gott, die Platzhalterin der Träumenden, der Gärtner der Hoffnungspflanzen.
Ich glaube, so wie wir seit der Schöpfung nach und nach Gottes guten Willen und seine Stärke für und in uns entdeckt haben, haben wir auch jetzt nach und nach in allem Chaos und aller Unruhe die Möglichkeit, jeden Fingerzeig Richtung Frieden, jeden Hinweis für Menschenfreundlichkeit zu entdecken. Dafür müssen wir aber auch selber etwas entstehen lassen – wir müssen Gott die Möglichkeit geben, sein Geheimnis zu entfalten, uns zu verwandeln. Wir müssen selber wagemutig sein, womöglich neu denken und vor allem vertrauensvoll Wege gehen, die wir noch nicht kennen. Und weil Gott weiß, dass wir manchmal zögern, fügt er hinzu: Schreib alles auf, denn diese Worte sind zuverlässig und wahr. Eine leere Seite schaut mich an. Dich auch?
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Pfarrerin Johanna Bergner
Gott träumt.
Wie die Welt sein könnte.
War sie ja schon mal. Ganz am Anfang.
Als alles paradiesisch war.
Und wir?
Tragen die Erinnerung tief in unserer DNA.
An eine Welt, in der sich niemand zu verstecken braucht.
An eine Welt, in der es keine Scham gibt.
Weil alle, wirklich alle,
sein dürfen, wie sie sind.
Ebenbilder hat uns Gott genannt.
Auch die mit dem Wackelzahn.
Auch die, vor denen wir zurückschrecken – die erst recht.
Und siehe,
das ist sehr gut.
Gott träumt uns.
Wie wir sein könnten.
Ganz auf Anfang,
Beginn einer neuen Wirklichkeit.
Großherzig. Liebevoll.
Ebenbilder eben.
Held*innen und Hasenfüße.
Den Staub von gestern
abgeschüttelt.
Ein Trotzdem auf der Zunge.
Gott glaubt an uns.
Wir sind gehimmelt.
Tag für Tag neu.
