Kirche neu denken, Glauben neu erleben
Urs Matther
Pfarrerin Lena Brugger und Marcel Ritter übernehmen die Fachstelle für Innovation
02.02.2026
jdiel
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Zwei Perspektiven, ein Ziel: Menschen berühren
„Innovation können wir nicht allein“, sagt Lena Brugger. „Es braucht Menschen, die Lust haben, Glauben gemeinsam zu entdecken.“ Genau darauf setzt das Dekanat mit dieser Stelle: Während Brugger ihre theologische und gemeindliche Erfahrung einbringt, kommt Ritter mit frischem Blick aus Kommunikation und Kultur. Marcel Ritter ist gebürtig aus Limburg und kam 2007 zum Studium nach Mainz. Er studierte zeitbasierte Medien an der Hochschule Mainz (Bachelor und Master) und arbeitete anschließend in einer Marketingagentur, beim Schott Musikverlag sowie zuletzt fast vier Jahre in der PR- und Öffentlichkeitsarbeit der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz. Privat liebt er Konzerte, Brettspiele, Quiz- und Bingoabende – und genau dort begann auch sein Weg zur neuen Stelle. „Ich war bei einem Konzert in der Altmünsterkirche und dachte: Wow, Kirche kann also auch so sein“, erzählt Ritter. „Das hat mich neugierig gemacht. Ich wollte wissen: Was macht Kirche eigentlich noch – und warum kenne ich das alles nicht?“ Als er dann zufällig auf die Stellenausschreibung stieß, war klar: „Ich hatte sofort das Gefühl, dass sich hier vieles verbindet.“
„Ach krass – das kommt von der Kirche?!“
Genau diese Reaktion wünscht sich Ritter für die künftigen Projekte. „Wenn Menschen am Ende sagen: Ach krass, das hat die Kirche gemacht – dann haben wir viel erreicht.“ Kirche solle dort auftauchen, wo sie bislang kaum sichtbar ist: in Kneipen, bei Kulturformaten, beim gemeinsamen Kochen, Wandern oder Tanzen.
Pfarrerin mit Innovationslust
Lena Brugger bringt dafür nicht nur Begeisterung, sondern auch Erfahrung mit. Die Pfarrerin stammt aus Wiesbaden, lebt heute mit ihrem Mann und Hund in Mainz-Mombach und ist seit vier Jahren im Pfarrdienst. Ihr Vikariat absolvierte sie in Ober-Olm/Kleinwinterheim, das Dekanat Mainz kennt sie daher bereits. Danach war sie vier Jahre Gemeindepfarrerin in Trebur und Astheim. Parallel zur Innovationsstelle arbeitet sie mit einer halben Stelle weiterhin als Gemeindepfarrerin in der Philippusgemeinde Mainz-Bretzenheim – bewusst. „Ich liebe die Gemeindearbeit“, sagt sie. „Trauergespräche, Trauerfeiern, diese intensiven, intimen Momente – das ist unglaublich wertvoll. Und gleichzeitig bereichert es mich, daneben Raum für Neues zu haben.“ Schon in ihren bisherigen Gemeinden hat Brugger innovative Formate angestoßen: Yoga-Gottesdienste, kreative Segensstationen, Aktionen bei Open-Air-Veranstaltungen. „Ich habe immer gespürt: Da ist so viel möglich – aber oft fehlte im Pfarralltag einfach die Zeit.“ Jetzt hat sie sie: 22 Stunden pro Woche gezielt für Innovation.
Kirche hat einen Schatz – und will ihn teilen
Was sie antreibt, ist eine tiefe Überzeugung: „Wir als Kirche haben so eine gute Nachricht – von Gottes Liebe, von Versöhnung, Orientierung und Spiritualität.“ Gleichzeitig erlebe sie, dass Kirche für viele junge Erwachsene kaum noch eine Rolle spiele. „In klassischen Gottesdiensten sitzen oft ältere Menschen. Die Frage ist: Wie entdecken jüngere Leute diesen Schatz neu – nicht belehrend, sondern im gemeinsamen Erleben?“ Für Brugger gehört Innovation seit jeher zum Wesen von Kirche. „Kirche war schon immer gezwungen, sich zu verändern. Jetzt dürfen wir das bewusst ausprobieren – auch mit dem Risiko zu scheitern.“
Von Wanderkirche bis Familien-Disco
Ideen gibt es viele – und sie dürfen wachsen: eine „Hiking Church“, bei der man gemeinsam wandert, Stille erlebt und spirituelle Impulse teilt. Ein Coworking-Space „Ora et Labora“ mit liturgischem Tagesrahmen, ein „Hot&Holy“ Airfryer-Kochabend, Familiendisco oder andere kleine Formate, die Glauben ganz beiläufig mitschwingen lassen. „Wir wollen nicht alles vorab festzurren“, sagt Brugger. „Sondern schauen: Was funktioniert? Was spricht Menschen an?“
Ohne Menschen geht es nicht
Eines ist beiden besonders wichtig: Diese Stelle lebt vom Mitmachen. „Innovation kann nur stattfinden, wenn andere dabei sind“, betont Brugger. „Zu zweit können wir nicht viel auf die Beine stellen.“ Gesucht sind Ehrenamtliche, Mitdenkende, Ideengeber*innen – und natürlich Neugierige, die einfach vorbeikommen. „Wir bringen Zeit, Struktur und Impulse mit“, ergänzt Ritter. „Aber am Ende lebt alles von den Menschen, die Lust haben, Kirche neu zu erleben.“
