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Abschied

Pfarrer auf den zweiten Blick – Hans-Joachim Dietze geht in den Ruhestand

HortienPfarrer hans-Joachim Dietze vor der Kirche in BruchenbrückenPfarrer Hans-Joachim Dietze wird am 20. September in den Ruhestand verabschiedet. In Bruchenbrücken war er 24 Jahre, in Ilbenstadt 16 Jahre lang Pfarrer. Während der Corona-Krise hat er jüngst dazu aufgerufen, ein „Fenster zum Himmel“ aufzumachen.

Fast ein Vierteljahrhundert war Hans-Joachim Dietze Pfarrer in Bruchenbrücken, 16 Jahre in Ilbenstadt. Jetzt wird er in den Ruhestand verabschiedet. Die Liebe zum Pfarrberuf hat er erst relativ spät entdeckt.

Die letzten Monate als Gemeindepfarrer haben Hans-Joachim „Hajo“ Dietze noch einmal besonders herausgefordert. Die Corona-Pandemie traf auch die Gemeinden in Bruchenbrücken und Ilbenstadt. „Uns wurde quasi über Nacht verboten, Gottesdienste zu feiern“, erinnert sich der Pfarrer an den Lockdown im Frühjahr. Was also tun? „Ich wusste: Wir dürfen uns jetzt nicht zurückziehen oder den Kopf in den Sand stecken.“ Stattdessen rief Dietze dazu auf, ein „Fenster zum Himmel“ aufzumachen. „Draußen wird der Raum weit und der Frühling zeigte sich von seiner schönsten Seite.“ Also rief er alle Gemeindemitglieder dazu auf, etwas zu malen, zu basteln, zu fotografieren oder ihre Gedanken zum Thema aufzuschreiben. Die Werke wurden am Zaun vor der Kirche in Bruchenbrücken aufgehängt und auf dem eigens eingerichtet Youtube-Kanal des Pfarrers veröffentlicht. „Ich wollte damit ein positives Zeichen setzen und Hoffnung geben.“ Das ist ihm gelungen.

Dietze ist generell ein fröhlicher Pfarrer. Seinen Humor hat er auch durch Schicksalsschläge wie den Tod seiner Frau im Frühjahr nicht verloren. Den Weg zum Pfarrberuf hat Dietze erst relativ spät eingeschlagen. „Ich bin mit Kirche aufgewachsen“, sagt der gebürtige Frankfurter. „Sehr früh ist in mir der Wunsch gereift, Pfarrer in der Gemeinde meiner Eltern zu werden.“ Ein Praktikum vor dem Studium in einer kleinen Landgemeinde habe ihn aber abgeschreckt. „Ich habe zwar mein erstes Theologie-Examen an der Uni Heidelberg abgelegt, war mir aber nicht sicher, ob ich für den Rest meines Lebens Pfarrer sein möchte.“ Dietze schlug eine andere Richtung ein, studierte Pädagogik in Berlin und arbeitet in verschiedenen Jobs, auch als Erzieher.

Der Liebe wegen zog er schließlich zurück nach Frankfurt. „Meine Frau hat für eine Kirchengemeinde gearbeitet. Der Pfarrer dort hat es geschafft, mich wieder für den Beruf zu begeistern.“ Dietze begann also doch noch sein Vikariat und trat schließlich 1997 die Pfarrstelle in Bruchenbrücken an. Seit 2004 sind die Kirchengemeinden Bruchenbrücken und Ilbenstadt pfarramtlich verbunden.

Hajo Dietze bereut seinen Weg nicht. „Ich finde es toll, dass im Pfarrberuf jeder seine Interessen miteinbringen kann.“ Bei ihm war es die Liebe zum Theater. „Wir haben viele Musical- und Theaterstücke aufgeführt.“ An die Proben mit den Kindern und Erwachsenen denkt er gerne zurück. „Das war das Highlight im Jahr“. Zum 250-jährigen Jubiläum der Kirche in Bruchenbrücken gab es etwa den „Bruchenbrückener Sommernachtstraum“.

Viele Vereinsjubiläen hat Dietze mit Festgottesdiensten begleitet. Die Zusammenarbeit war ihm immer wichtig. Gemeinsam etwas im Ort erreichen –  über die Religionen hinaus. Er hat gerne mit der katholischen Gemeinde zusammengearbeitet. „In diesem Jahr habe ich zusammen mit Bernd Richardt von der katholischen Pfarrgemeinde Peter und Paul Ilbenstadt den Karfreitag gestaltet.“ Mit dem Auto sind die beiden Pfarrer zu einer Prozession, wie sie in der katholischen Kirche gefeiert wird, aufgebrochen. „Wir wollten im Dorf präsent sein und trotz Lockdown zu den Menschen kommen.“

Sechs Jahre lang hat sich Dietze der Gefängnisseelsorge angenommen. Damals noch in Friedberg. Gerne erinnert er sich an die Gottesdienste und Gespräche. „Das hat mir großen Spaß gemacht“, sagt er. Die Inhaftierten seien immer sehr aufgeschlossen gewesen und hätten sich teilweise intensiv mit Gott und der Bibel zu beschäftigt. „Die haben mir manchmal ganz schön knifflige Fragen gestellt“, sagt er. Etwa zur Schuldvergebung.  

Pfarrer Hajo Dietze ist der Region sehr verbunden. Er singt im Regenbogenchor Bad Nauheim und bildet sich in der „Universität des dritten Lebensalters“ der Goethe-Uni in Frankfurt weiter. Auch im Ruhestand will er in Bruchenbrücken bleiben, zieht nur ein paar hundert Meter weiter. Er hat hier Freunde gefunden und: „Ich habe mich einfach in das Dorf verliebt.“

Abschied am Fischteich:

Pfarrer Hans-Joachim Dietze wird am Sonntag, 20. September, von Propst Matthias Schmidt entpflichtet. Der Festgottesdienst um 14 Uhr findet aufgrund der Corona-Situation nur im kleinen Rahmen statt, wird aber per Live-Stream übertragen.  Der Link wird auf der Homepage www.erasmus-alberus.de abrufbar sein. Anschließend findet ein Empfang am Fischteich in Bruchenbrücken statt. Am Abend zuvor, am Samstag, 19. September, ab 19.30 Uhr lädt die Gemeinde zu einem Abschiedstreffen an den Fischteich Bruchenbrücken ein. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Eine Registrierung am Einlass (ab 19 Uhr) ist erforderlich. Auch eine Mund-Nasen-Bedeckung ist Pflicht.

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