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Vielfalt stärkt Demokratie

Öffentlichkeitsarbeit

Zu einem „langen Nachmittag der Religionen“ kamen Gäste und Mitglieder Mainzer Religionsgemeinschaften am Sonntag zusammen. Vor der Ruinenkirche St. Christof wechselten Redebeiträge und Gesprächsrunden ab mit musikalischen Darbietungen.

Vielfalt bereichert das Leben in der Stadt, unterstrich Oberbürgermeister Michael Ebling. In seinem Grußwort betonte er, wie wichtig es ist, miteinander zu reden, voneinander zu lernen und so Offenheit zu leben. Sein Dank galt allen, die sich hierfür einsetzen. Im Rahmen der traditionellen Interkulturellen Woche wurde zur Veranstaltung vor St. Christoph eingeladen. Durch das abwechslungsreiche Programm führte Dr. Simone Emmelius als Moderatorin.

Zum Thema „Religionen in der Demokratie – Chancen und Herausforderungen“ kamen drei Vertreter aus Christentum, Islam und Juden ins Gespräch. Die Würde des Menschen sei heilig, von Gott gegeben, erklärte Mohammed Laabdallaoui, der aus Marokko stammt. Er warf einen informativen Blick in die Geschichte und spannte den Bogen zur heutigen Zeit. Aus dem Glauben heraus könne auch die Liebe zum Grundgesetz erwachsen, sagte er und bedauerte, dass es anderswo auf der Welt nicht selbstverständlich ist, in der Öffentlichkeit zu beten. Um den eigenen Glauben endlich gefahrlos leben zu können nehmen viele geflüchtete Menschen lange, schwere Wege auf sich, bestätigte Myriam Lauzi. Sie ist im Stadtrat aktiv und widmet sich den Bereichen Soziales, Migration und Integration. Als Christin zitierte sie ihre liebste Bibelstelle, über Glaube, Liebe und Hoffnung, die auch verbindende Elemente zwischen den Religionen sein können. Was Glaube heute bedeutet, sollte jedoch auch für jüngere Menschen spürbar und erlebbar sein. Dass bei Religionen und Demokratie mitunter Gegensätze, sogar Weltbilder aufeinandertreffen können, verdeutlichte Dr. Peter Waldmann. Als Stellvertretender Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Mainz gab er Einblicke, zudem nahm er die Rolle Gottes und des Menschen in den Blick. Werden überlieferte religiöse Regeln befolgt? Wird vor einem Beschluss abgestimmt? „In einer Demokratie müssen wir immer wieder neu entscheiden, was wir im Sinne der Religionsfreiheit zulassen und was nicht“, sagte Peter Waldmann. Zudem stellte er das Jüdisch-Muslimische Bildungswerk vor, dessen – für alle offenen - Angebote Antisemitismus und Islamfeindlichkeit entgegentreten.

Traditionelle und moderne Lebensweisen in Einklang zu bringen ist nicht einfach. Besungen wurde dies in einem türkischen Titel, dargeboten von Eda Tanses und der Band Levante. Um Liebe, die Grenzen zu überwinden vermag, ging es in einem anderen Lied. Volkstümliches aus ihrer ungarischen Heimat, ihre Geige und Gitarre hatte Katalin Szigeti mitgebracht. Sie präsentierte auch eine Psalmvertonung und ein mehrsprachiges Lied aus Taizé. Religiöse Bedeutung haben auch Lieder, die Moussa Zraidi mit Trommelbegleitung sang. Melodisch klang die kraftvolle Rezitation aus dem Koran von Imam Mustafa Khamees. Gott sei mit denen, die rechtschaffen sind und Gutes tun, übersetzte er. Auch andere Worte des Propheten zitierte er, als Botschaft: „Verbreitet den Frieden unter euch“. Zudem verdeutlichte er, dass im Islam Rassismus und Diskriminierung wegen Hautfarbe, Herkunft oder anderer Merkmale abgelehnt werden. Auch der eigene soziale Status sollte keine Rolle spielen beim Gebet in der Moschee oder bei Pilgerfahrten, nannte er Beispiele aus dem Glaubensleben.

Im Bereich Kirchen und Demokratie sind Andreas Blöser vom Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN und Andreas Belz vom Bistum Mainz tätig. Unter anderem ist es ihnen wichtig, Menschen zu unterstützen, die sich für andere einsetzen und dafür angefeindet oder angegriffen werden. Entschieden sprachen sie sich aus gegen rechtsextreme Tendenzen und Ideologien der Ungleichwertigkeit. Entsprechende Beratungsangebote gibt es sowohl für Personen als auch für Institutionen. Zudem werden jungen Menschen Möglichkeiten geboten zur Mitbestimmung, um das Vertrauen in die Demokratie zu stärken. Allen, die sich haupt- und ehrenamtlich engagieren, galten Fürbitten im gemeinsamen Gebet. Pfarrerin Dorothea Gauland betonte, wie wichtig es ist Gemeinsamkeiten und Unterschiede wertzuschätzen.

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