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Erkundungsreise in muslimisches Leben

Vortrags- und Gesprächsabend über Denkwelten des Islam

Heidi Förster

Am 8. Juni 2021 trafen sich auf Einladung von Kristin Flach-Köhler vom Ev. Zentrum für Interkulturelle Bildung (EZIB) und der Bildungsbeauftragten Elke Deul Muslim*innen, Christ*innen und Atheist*innen zum Austausch darüber, was Orientierung und Hoffnung im Leben gibt. Şenay Altintaş , Öffentlichkeitsreferentin der Emir-Sultan-Moschee Darmstadt, gab einen Einblick in ihren Glauben.

Şenay Altintaş ist türkischer Abstammung, in Darmstadt aufgewachsen und bekam erst im Alter von 20 Jahren Kontakt zur Moschee und trägt seither Kopftuch. Ausschlaggebend sei für sie damals eine Begegnung mit einem Atheisten gewesen, der meinte, es gäbe keinen Gott. Da begann für sie die Neugier, den Islam zu erforschen, um herauszufinden, was sie unterscheidet. Zuerst traf sie sich mit Mädchen außerhalb der Moschee, gründete ein muslimisches Frauenzentrum und nahm schließlich die Frauen mit in die Moschee. Seit vielen Jahren engagiert sie sich ehrenamtlich für die Öffentlichkeitsarbeit der Emir-Sultan-Moschee, leitet Jugend- und Mädchengruppen, initiiert Umweltprojekte und spricht selbstbewusst und fröhlich von ihrem Glauben.
In Deutschland leben aktuell  ca. fünf Mio. Muslim*innen. „Wir gestalten unsere gemeinsame Gesellschaft mit, indem wir längst ein Teil von ihr geworden sind, ohne die religiöse Identität weder aufgegeben noch verabsolutiert zu haben.“

Ihren Glauben beschreibt sie als „Lebensinhalt“, im Streben nach einer charakterlich guten Lebensweise. Der Islam kenne keine Hierarchie, auch ein Imam sei keiner, der zwischen Allah und dem Menschen stehe. Ihr monotheistischer Glaube strebe nach Gerechtigkeit und basiere auf dem Glauben an das Leben nach dem Tod. Dabei gelte das irdische Leben als „Saatfeld für das Jenseits“. Auch gebe ihr der Glaube Hoffnung, dass sie nie alleine sei, da sie von Engeln begleitet werde, die schützend auf ihr Tun und Handeln schauten.
Eine Frau, die sich als Atheistin versteht, beschreibt, dass sie ihre Werte und Lebenseinstellungen nach dem eigenen Gewissen, Moral und dem Begriff Humanismus ausrichte. Andere erzählen, welchen Einfluss der jeweilige Lebenszusammenhang, einzelne Menschen oder aus den Schriften auf ihre eigene religiöse Entwicklung genommen haben. Aufgabe einer jeden Person bleibt es, eine eigene Position immer wieder neu zu finden.
Şenay Altintaş betonte zur Situation muslimischer Frauen in Deutschland die Vorurteile, denen muslimische Frauen allein wegen des Tragens ihres Kopftuches ausgesetzt seien und Fremdprojektionen von Unterdrückung, Hausfrau und Patriarchat weckten. „Damit ist Kopftuch tragenden Musliminnen in der Berufstätigkeit der Zugang zu verschiedenen gesellschaftlichen Ressourcen fast unmöglich, gemeint sind Berufe wie Ärztinnen Rechtsanwältinnen, Richterinnen oder Lehrerinnen“. Das konnte eine Teilnehmerin bestätigen, die trotz abgeschlossenen Master-Studiums seit einem halben Jahr auf Stellensuche sei und inzwischen ihre Bewerbungen ohne Foto abschicke.

Der Abend, der per ZOOM stattfand, zeigte, dass gerade auch der Austausch Orientierung und Hoffnung gibt und die Sehnsucht nach Begegnung nach den vielen Monaten der Distanz während der Covid-Pandemie gewachsen ist. Das Fazit der Veranstalterinnen: „Ein spannender Abend mit einem Dialog auf Augenhöhe“.

Einen weiteren Austausch per ZOOM wird es am Dienstag, den 22. Juni 2021 von 10 bis 12.00 Uhr mit der Leiterin des Kölner Informations- und Fortbildungszentrums muslimischer Frauen geben. Eine Teilnahme ist nach Anmeldung bei Kristin Flach-Köhler per Mail unter ezib@evakim.de möglich.

 

Heidi Förster
Öffentlichkeitsarbeit

 

 

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