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Frühjahrssynode 2015

Kirchenpräsident: „Mediengesellschaft deutlicher mitgestalten“

Philipp HeinrichMediennutzung ist auch für den Kirchenpräsidenten AlltagVolker Jung

Kirchenpräsident Volker Jung sieht in der steigenden Bedeutung der Medien große Herausforderungen aber auch viele Chancen für die Kirche der Reformation. Durch neue Medien wie Flugblätter konnte sich die neue Lehre vor 500 Jahren erst richtig verbreiten.

Frankfurt a.M., 23. April 2015. Für ein bewussteres kirchliches Engagement im Internet, Fernsehen, Radio und den Zeitungen hat sich der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung ausgesprochen. Vor der in Frankfurt am Main tagenden Synode warnte er am Donnerstag davor, den Kontakt zu Teilen der Bevölkerung zu verlieren und sagte: „Wenn wir als Kirche medial nicht vorkommen, sind wir für viele Menschen ‑ insbesondere für Jüngere ‑ nicht mehr Teil der Wirklichkeit“. Für viele sei „das, was sie medial von Kirche wahrnehmen, die einzige Predigt, die sie hören“. Längst sind nach Jungs Meinung die Medien „nicht Ersatz oder Konkurrenz zum eigentlichen Leben“. Sie seien vielmehr „Teil der Wirklichkeit und prägen Wirklichkeit“. Vor allem das Internet beeinflusse immer stärker die persönlichen Einstellungen von Menschen.

Möglichkeiten der modernen Medien nutzen

Jung rief deshalb dazu auf, die „Entwicklung der Mediengesellschaft mitzugestalten“. Die evangelische Kirche müsse der Herausforderung mehr Aufmerksamkeit schenken, wie sie „in die Gesellschaft hinein kommunizieren kann“. Als Beispiel nannte er Themen wie den Tod, die Sterbehilfe oder Fragen nach den Anfängen des Lebens, die Menschen besonders berühren könnten. Bisher noch nicht ausreichend ausgelotet seien beispielsweise auch Möglichkeiten in der seelsorglichen Begleitung in sozialen Netzwerken. Dies habe etwa das zurückliegende Flugzeugunglück in den französischen Alpen gezeigt, bei dem viele Menschen das Internet genutzt hätten, um ihre Trauer zum Ausdruck zu bringen. Das Internet wandle sich nach Jung vom „Informationsmedium“ immer mehr zum „Kommunikationsmedium“. So seien heute weit über eine Milliarde Menschen im sozialen Netzwerk Facebook miteinander verbunden.

Entwicklungen nicht unkritisch hinnehmen

In seinem Bericht zur Lage in Kirche und Gesellschaft, den Jung unter das Zitat aus dem neutestamentlichen Römerbrief „So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi“ gestellt hatte, rief er im evangelischen Themenjahr „Bild und Bibel“ auch dazu auf, die jüngsten Entwicklungen in den Medien nicht unkritisch hinzunehmen. So biete etwa das Internet große Chancen „weltweiter und partizipativer Kommunikation“. Es stelle sich aber auch die Frage, ob das Netz, seine Betreiberfirmen und deren Inhalte nicht längst die Gesellschaft gestalteten. Das Internet dürfe sich zudem nicht zu einem rechts- und würdefreien Raum entwickeln, in dem etwa die Verwertung persönlicher Daten ohne Einschränkung möglich sei.

Medienkompetenz in alle Altersstufen bringen

Wie bei allen anderen Medien auch, müsse zudem bei der sehr schnellen Weiterverbreitung von Nachrichten im Netz immer zwischen Freiheit und Verantwortung abgewogen werden. Es sei klar: „Was berichtet wird und wie berichtet wird, darf die Würde einzelner Menschen nicht verletzen.“ Darüber hinaus sprach sich Jung generell für eine Verstärkung der „Medienkompetenz“ in Kirche und Gesellschaft aus. So könne etwa im Religions- oder Konfirmandenunterricht aber auch in Bildungsangeboten für Ältere der Umgang mit Chancen und Schwierigkeiten der modernen Medien zum Thema gemacht werden.

Evangelium in der modernen Mediengesellschaft bezeugen

Jung würdigte zugleich das bereits vielfältig vorhandene kirchliche Engagement in den Medien. Als Beispiele nannte er unter anderem die Gemeindebriefe, landeskirchliche Wochenzeitungen, evangelisch verantwortete Verkündigungssendungen im Fernsehen oder Radio, eigene Internetauftritte von Kirchen und Gemeinden sowie die Aktivitäten der evangelischen Nachrichtenagentur epd, die Millionen Menschen erreichten. Dies entspreche dem kirchlichen Auftrag, „das Evangelium in dieser Welt zu bezeugen“ und dazu gehöre heute auch die mediale und digitale Welt.

Reformation als Medienereignis begreifen

Als Vorbild für den kirchlichen Umgang mit neuen Techniken nannte Jung die Reformation. Seiner Ansicht nach wäre die Reformation „vermutlich niemals das geworden, was sie geworden ist, wenn ihr damals nicht eine neue und revolutionäre Medientechnik zur Verfügung gestanden hätte“. Entscheidend sei die Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg gewesen, durch den reformatorische Schriften leicht verbreitet hätten werden können und zu den ersten „Massenmedien“ wurden. So wurde die Reformation auch selbst zu einem „Medienereignis“. Jung: „Die Reformatoren wussten sich der Medien ihrer Zeit zu bedienen. Sie nutzten die Medien und sie prägten die Medien.“ 

Die vollständigen Berichte des Kirchenpräsidenten

Zum Video über die Bedeutung der Medien und Chancen für die Kirche direkt auf Youtube

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