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Mit Video: Ex-Profi fördert Fußballer mit Handicap

Bild: Sebastian TheunerBruno PasqualottoBruno Pasqualotto ist ein ehemaliger Profi von Borussia Dortmund

Im Team United findet jeder seinen Platz. Durch die inklusive Fußballmannschaft bringt Gründer Bruno Pasqualotto Menschen mit und ohne körperliche Beeinträchtigung zusammen. Auslöser war eine Begegnung im Jahr 2010.

Bild: Sebastian TheunerBruno Pasqualotto mit seinem Team auf dem SportplatzBruno Pasqualotto mit seinem Team auf dem Sportplatz

Wenn Bruno Pasqualotto auf dem Sportplatz von Köppern steht und seine Schützlinge beim Trainingsspiel beobachtet, wirkt er ganz im Reinen mit sich. Hier ruft er eine taktische Anweisung, dort lobende Worte auf das Spielfeld. Dabei strahlt der Trainer des Team United große Ruhe und Gelassenheit aus. Pasqualotto ist keiner jener Fußballlehrer, die sich beim kleinsten Fehler der eigenen Spieler zu einem Wut und Zorn speienden Vulkan verwandeln. Gründe dafür hat er ohnehin nicht. Seine Jungs versprühen im lebhaften Kampf um den Ball eine solch positive Energie, dass diese auch noch in der hintersten Ecke des Sportgeländes von Teutonia Köppern zu spüren ist. In Pasqualotto macht sich derweil die Erkenntnis breit, dass alles „genau so läuft, wie es sein soll.“ Für ihn wie für seine Spieler. 

„Ich wusste nicht, was da auf mich zukommt“ 

Überhaupt ist es für Pasqualotto und seine Mannschaft in den vergangenen sechs Jahren fast immer nach Wunsch gelaufen. Seit 2013 spielen Menschen mit und ohne körperliche oder geistige Beeinträchtigung gemeinsam im Team United. Stolze 52 Mitglieder zählt die bunt gemischte Truppe, die Altersspanne liegt zwischen acht und 42 Jahren. Dabei war die Erfolgsgeschichte der inklusiven Fußballmannschaft aus dem Friedrichsdorfer Stadtteil Köppern im Hochtaunuskreis keineswegs vorprogrammiert. „Am Anfang wusste ich nicht, was da auf mich zukommt“, sagt Pasqualotto, der einst als Profi für Borussia Dortmund kickte. Mit fünf Jungs stand er beim allerersten Training im August 2013 auf dem Platz. Inzwischen ist der 49-Jährige, der zudem die D-Jugend von Teutonia Köppern trainiert, von seinen Spielern längst in den Heldenstatus gehoben worden: „Er motiviert uns bei jedem Training, bei jedem Spiel. Egal, ob wir verloren oder gewonnen haben. Er macht uns jedes Mal Mut“, sagt United-Kicker Marius Ernst. 

Woanders weggeschickt, von Pasqualotto herzlich empfangen 

Mut wollte Pasqualotto auch jenem Jungen machen, der im Jahr 2010 zum Training seiner D-Jugend-Truppe bei Teutonia Köppern erschienen war. „Er hat eine Entwicklungsverzögerung und eine leichte Lernbehinderung gehabt“, erzählt der Coach. Bei anderen Vereinen sei er stets weggeschickt worden. Pasqualotto aber wollte dem Jungen unbedingt eine Chance geben. „Als ich ihn im Training erlebt habe - das war Gänsehaut pur. Die Jungs haben ihr Training verlangsamt, damit er mitkommt.“ Für Pasqualotto die Initialzündung, um zu sagen: „Es gibt mit Sicherheit noch viel mehr Menschen mit Behinderung, die gerne Fußball spielen möchten, aber keine Möglichkeit bekommen, in einem Verein mit zu kicken.“ 

Eine rasante Entwicklung

2013 nimmt sich Pasqualotto eine berufliche Auszeit, und das Team United Formen an. Der Trainer spricht mit der Jugendleitung über seine Idee, startet das Projekt zunächst als eine offene Trainingsgruppe. Doch die Mitgliederzahl wächst rasant. Eine Entwicklung, welche Pasqualotto selbst überrascht hat, ohne ihn aber nicht möglich gewesen wäre. „Für mich ist er ein ganz besonderer Mensch“, sagt Marius Ernst, „er hat überhaupt keine Berührungsprobleme mit Menschen mit Behinderung.“ Die soziale Komponente schätzt auch Teamkollege André Dos Santos: „Er hat für jeden ein Ohr. Wenn man ein Problem hat, kann man mit ihm reden. Er baut die Leute sehr gut auf.“ 

Bestätigung und wachsendes Selbstvertrauen 

Seine Motivation zieht Pasqualotto aus den vielen lachenden Gesichtern, die sich beim wöchentlichen Training auf dem Köpperner Sportplatz tummeln. Schnell hat er gemerkt, dass er an seiner Trainingsgestaltung trotz der unterschiedlichsten Formen von Beeinträchtigungen kaum etwas ändern muss: „Für Menschen mit Behinderung ist es unglaublich wichtig zu zeigen, dass sie etwas können. Hier kriegen sie Bestätigung und man merkt, wie das Selbstvertrauen teilweise enorm wächst.“ Regelmäßig tritt das Team United zu Spielen in der Hessenliga Fußball-ID des Hessischen Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbands (HBRS) an, darüber hinaus bei Freizeitturnieren und Freundschaftsspielen.

31 Gegentore – „und auf einmal singen die alle“

Dass es seinen Schützlingen dabei nicht ums Gewinnen geht, haben diese ihrem Trainer bereits in der Anfangszeit eindrucksvoll bewiesen. Bei einem der ersten Turniere habe die Mannschaft Gegentore am Stück kassiert, nach vier Spielen ein verheerendes Torverhältnis von 1:31 aufgewiesen. In Erwartung vieler trauriger Gesichter stieg Pasqualotto vor der Rückfahrt in den Mannschaftsbus. „Und auf einmal singen die alle. Das war für mich ein prägendes Erlebnis, weil ich gesehen habe: Denen geht es einfach nur darum, Fußball zu spielen.“ 

„Eine Legende in Köppern“ 

Durch das Team United vermittelt Bruno Pasqualotto Menschen mit Handicap Lebensfreude, Selbstbewusstsein und Spaß an der Bewegung – all das, was ihnen woanders allzu oft verwehrt bleibt. Für Fabian Schwalbach, der das Down-Syndrom hat, ist die Mannschaft derart wichtig, dass er Woche für Woche die gut 40-minütige Anfahrt aus seiner Heimatstadt Mainz auf sich nimmt. „Der Bruno macht das hier alles sehr gut, er muss für immer hierbleiben“, lobt er. Oder wie es Teamkollege Mohammed Alansi ausdrückt: „Er ist eine Legende in Köppern!“ 

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[Sebastian Theuner]

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