Impuls
Zuspruch und Aufgabe zugleich
07.01.2026
hjb
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Monatssprüche sind kurze biblische Leitsätze, die uns für jeweils vier Wochen begleiten wollen – nicht als Vorschrift, sondern als Orientierung. Eine Parole, die mitgeht durch den Alltag und fragt: Woran halte ich mich? Der Monatsspruch für diesen Januar lautet: „Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.“ (5. Buch Mose, Kapitel 6, Vers 5)
Der Satz ist klar – und fordernd. Gott lieben, und zwar ganz. Mit Herz, Seele und Kraft. Das meint nicht, immer überzeugt oder stark zu sein. Es meint: nicht auf Abstand zu leben. Nicht nur zuzuschauen, nicht nur zu kommentieren, sondern innerlich beteiligt zu sein. Mit dem, was uns wichtig ist, mit dem, was uns umtreibt.
Ein neues Jahr beginnt. Noch ist vieles offen. Viele Menschen schauen nach vorn, mit Erwartungen, mit Ideen, mit dem Wunsch, dass Gutes wachsen möge. Der Monatsspruch passt zu diesem Anfang. Er erinnert daran: Wir müssen nicht alles selbst in Gang bringen. Gott geht voran. Er eröffnet Wege, noch bevor wir wissen, wie sie verlaufen.
Wer sich von Gottes Liebe tragen lässt, bleibt nicht gleichgültig. Diese Liebe macht aufmerksam. Sie schärft den Blick für das, was dem Leben dient. Sie gibt den Mut, Verantwortung zu übernehmen, ohne sich über andere zu stellen. Sie hilft, klar zu bleiben, ohne hart zu werden. Gottes Liebe wirkt nicht spektakulär – aber verlässlich.
Darum zeigt sich Glaube im Alltag. In Familien, in Nachbarschaften, am Arbeitsplatz, im Ehrenamt. Dort, wo Entscheidungen getroffen werden, wo Worte Gewicht haben, wo Menschen einander brauchen. Liebe zu Gott mit ganzer Kraft heißt nicht, alles zu können. Es heißt, sich an dem zu orientieren, der vorangeht – und entsprechend zu handeln. Der Monatsspruch zum Jahresanfang ist Zuspruch und Aufgabe zugleich. Zuspruch, weil Gott uns nicht allein lässt. Aufgabe, weil seine Liebe durch uns Gestalt gewinnen will – hörbar, sichtbar, verlässlich.
Das neue Jahr liegt vor uns. Gott ist ihm voraus. Und wir gehen hinein – mit Vertrauen, mit wachem Blick und mit der Kraft, die uns heute gegeben ist und uns für dieses neue Jahr geschenkt wird.
Pfarrer Andree Best ist Dekan des Evangelischen Dekanats an der Dill
